• Ker 51 Varuna
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VARUNA - Ker 51 Racer

Puristisch, radikal und kompromisslos – diese Eindrücke hinterließ der Neubau der Kieler KNIERIM-Werft schon auf den ersten Blick. Die Ker 51 des Hamburger Regattaseglers Jens Kellinghusen ist zweifelsohne ein reinrassiger Racer. Am 4. Mai 2012 taufte seine Frau Angelika das Boot vor mehr als hundert Gästen auf den traditionellen Namen „Varuna“. Einen Tag später absolvierte das Boot erfolgreich seine Jungfernfahrt mit ersten Segeltests. Von dieser Rennyacht, die der Eigner als "a piece of art" bezeichnete, dürfte fortan mehr zu hören sein, mutmaßte man damals und sollte Recht behalten.

Ganz in schwarz von Rumpf und Mast bis zu den Segeln mit der Nummer GER 6700 sorgte die rund 15,50 Meter lange und 4,75 Meter breite „Varuna“ auf der Kieler Förde bereits von weitem für Aufsehen. Bei leichter bis mäßiger Brise glitt sie über die kaum bewegte See. Der Mann am Steuer stolz und voll des Lobes. „Alle Beteiligten haben einen fantastischen Job geleistet“, so Kellinghusen, „jedes einzelne Teil ist mit Hingabe perfekt gebaut – ein Meisterstück!“ Seinem Dank verlieh der Unternehmer Ausdruck, indem er die zunächst erst für Ende Mai vor dem Start in die Regattasaison in Hamburg geplante Taufe kurzerhand zum Stapellauf in die KNIERIM-Werft verlegte.

Nur fünfeinhalb Monate lagen zwischen Bestellung und Auslieferung. Und dass obwohl nicht nur die Formen für Rumpf und Deck sowie Ruder, Kiel und Schotten in einer der drei Fünf-Achs-Maschinen der KNIERIM Tooling zehntelmillimetergenau gefräst wurden, sondern auch die für viele kleinere Strukturteile. Die vom Hightech-Unternehmen für individuelle Yachten perfektionierte Komposit-Bauweise ist State of the Art: Kohlefaser-Prepreg mit Nomex-Honigwaben als Sandwichkern. „Es ist sicher eines des vollendetesten Boote, das wir in den zehn Jahren seit unserer Neuausrichtung gebaut haben“, meint Werftchef Gunnar Knierim.

Auffällig: Die meisten Fallen und Strecker wurden „versteckt“ verlegt, das Cockpitlayout ist sauber und aufgeräumt. Passend dazu das futuristische Airfoil-Rigging von „Hall Spars“, ein Mast der neusten Generation. Innen wie außen wurde alles in flint black metallic von „Alexseal“ lackiert, aber matt. Das spart einen Spritzgang und damit nochmal zehn Kilogramm Gewicht! Bunt sind nur die Stander vom Norddeutschen Regatta Verein und von den Alster Piraten Club am Heck, deren Farben Jens Kellinghusen seit jeher vertritt. Für seinen Mut, ein bis ins Detail auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegtes Boot bauen zu lassen, erntete er von vielen aktiven und ehemaligen Regattaseglern Respekt und Anerkennung. Das Resultat verglich der Eigner mit der Vorgängerin, einer Rogers 46: „Diese ‚Varuna‘ hat das gleiche Gewicht, ist aber zehn Prozent länger und hat 40 Prozent mehr Segelfläche.“ Sie wiegt nur rund 6,6 Tonnen mit einem Großteil in der 3,75 Meter tief gehenden Kielbombe.

Dass dieses Schiff schnell sein muss, sieht schon ein Laie. Dass dies nicht zufällig so ist, garantiert der international renommierte Yachtdesigner Jason Ker, der 2007 für den ersten südafrikanischen America’s Cupper verantwortlich zeichnete. „Wir haben in nur drei Wochen 130.000 verschiedene Rumpfformen durchgerechnet“, berichtet der Konstrukteur. Die 51 Fuß lange Yacht wurde für Regatten nach dem IRC-Wertungssystem optimiert, habe aber auch ein konkurrenzfähiges ORCi-Handicap, so Ker. Herausgekommen ist ein „einzigartiges Unterwasserschiff“ (Kellinghusen) und ein Rennwert so hoch wie der einer TP 52 der jüngsten Generation.

Der erste Vergleich mit einem Boot dieser Klasse wurde mit Spannung erwartet. Am 16. Juni traf die „Varuna“ beim Welcome Race der Kieler Woche erstmals auf die Konkurrenz, u.a. das Audi Sailing Team powered by All4One unter Skipper Jochen Schümann. Während der dreimalige Olympiasieger mit seiner neuen, internationalen Crew antritt, setzt Kellinghusen wie bisher auf eine 14- bis 15-köpfige deutsche Mannschaft mit Bootsmann Tim Daase, der „alle wesentlichen Ideen für die einfache Handhabung der Yacht eingebracht hat“. Mit dabei sind unter anderem die beiden „North“-Segelmacher Nihat Aydin und Arnd Howar sowie Sebastian Vedder und Christian Stoffers, die – wie das KNIERIM-Team samt Auszubildende – so manchen Tag bis in den späten Abend beim Bootsbau verbrachten.

Zur Kieler Woche war die Rückregatta von Eckernförde nach Kiel geplant. Danach wurde die „Varuna“ nach Sandhamn in Schweden überführt, wo sie am Rennen Gotland Rund teilnahm. „Das ist unser Test, ob wir dieses Jahr schon fit genug für größere Aufgaben sind“, sagt der Skipper und verrät die Ziele. Nach Regatten im Mittelmeer, darunter die Les Voiles de Saint Tropez und das Rolex Middle Sea Race in Malta soll die „Varuna“ am Zweiten Weihnachtstag beim legendären Rolex Sydney Hobart Race in Australien starten. Neugierige Blicke sind der außergewöhnlichen Yacht allerorten sicher.